2020-04-20

Antioxidantien: So schützen dich die Radikalfänger von innen

Toller Beitrag von Dr. Petra Bracht:

Dein Körper ist ein komplexes System, dem daran gelegen ist, ein optimales Gleichgewicht (Homöostase = Ausgeglichenheit der physiologischen Körperfunktionen) aufrecht zu erhalten. Nur in dieser körperlichen Balance laufen Stoffwechselprozesse reibungslos ab und die körpereigene Abwehr ist stark genug. So kann er Eindringlinge von außen abfangen und Stoffwechselendprodukte, sogenannte „freie Radikale“, neutralisieren.

Das ist zumindest der für unsere Gesundheit ideale und natürliche Zustand!

Leider setzen wir unsere Körper schon sehr früh unbewusst äußeren Umwelteinflüssen aus. Schädliche Umweltgifte wie Mikroplastik, Pestizid-Rückstände, Schwermetalle, Zusatzstoffe, Medikamente, AGE’s und andere giftige Substanzen nehmen wir — wenn auch in kleinen Mengen — täglich auf, ohne es zu merken. Doch selbst diese greifen jedes Mal in deinen Stoffwechsel ein, ohne dass dies sofort spürbare Auswirkungen hat. Die minimalen Veränderungen auf Zellebene bemerkst du zunächst gar nicht. Das liegt vor allem daran, dass dein Organismus sich ziemlich gut selbst reparieren kann und Dysbalancen direkt ausgleichen möchte.

Schäden durch äußere Umwelteinflüsse
Häufen sich die schädlichen Umwelteinflüsse und schädigen wir selbst unseren Organismus durch den Konsum von ungesunden Genuss- und Nahrungsmitteln, überfordern wir ihn.

Dann ist selbst dieses komplexe System irgendwann einmal erschöpft. Es sendet Warnsignale in Form von Befindlichkeitsstörungen, Krankheiten und Schmerzen. Sie signalisieren früher oder später damit, dass etwas nicht stimmt. Diese Warnsignale laufen meist chronisch und versteckt ab und werden häufig als Entzündungen eingestuft. Leider aber falsch verstanden, da Entzündungen immer Heilungsversuche des Körpers sind. Diese Arbeit übernimmt unser Immunsystem. Ist unser Abwehrsystem ist aber permanent damit beschäftigt, gegen körperfremde Stoffe zu kämpfen, um das beschriebene Gleichgewicht so schnell wie möglich wiederherzustellen, wird die Entzündung stetig weiter befeuert. Dieser Dauerstress („oxidative Stress“), schadet den Zellen und schwächt das Immunsystem. Im schlimmsten Fall fördert dies ernsthafte Erkrankungen, die in uns bekannte Zivilisationskrankheiten münden.

Was haben Antioxidantien mit Stress zu tun?
Antioxidantien, wie beispielsweise Vitamin C und E, aber vor allem auch die „sekundären Pflanzenstoffe“, stecken in allen pflanzlichen Nahrungsmitteln. In bunten Obst- und Gemüsesorten sind sie zahlreich vertreten. Sie sorgen für die Farben und stecken in der Schale und den Randschichten aber auch in den Pflanzen selbst. Diese wertvollen Stoffe dienen dazu, um Fressfeinde abzuhalten. Sie bewirken zudem die Entwicklung der Geschmacks-, Farb- und Duftstoffe, die Bestäuber anlocken. Unter anderem wehren diese Antioxidantien ebenso erfolgreich die UV-Strahlung der Sonne ab.

Doch auch für den menschlichen Körper werden gesundheitsfördernde Wirkungen von Forschern immer wieder untersucht. Längst sind eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, die zur Gruppe der Antioxidantien zählen, dafür bekannt, freie Radikale zu neutralisieren und die Zellen gesund zu halten. ((Liu, R.H. (2013a).: Health-Promoting Components of Fruits and Vegetables in the Diet12.In: Adv Nutr 4, S.384-392.)) Bei dauerhaften Entzündungen und einer schwachen Körper-Abwehr lohnt es also, sich mit entzündungshemmenden Lebensmitteln und deren sekundären Pflanzenstoffen zu versorgen.

Die wichtigsten sekundären Pflanzenstoffe und ihre Wirkung
Es gibt mehr als 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe in der menschlichen Nahrung. Auch wenn dein Körper eine bestimmte Menge an Antioxidantien selbst bilden kann, solltest du ihm ausreichend zur Verfügung stellen. Die Auswahl ist groß, sodass du täglich auf eine Vielfalt zurückgreifen und Abwechslung in deinen Speiseplan bringen kannst. Versorgst du deinen Körper regelmäßig mit pflanzlichen Lebensmitteln, hilfst du ihm, Zellen vor Schädigungen zu schützen und unterstützt ihn bei seinen Stoffwechselvorgängen. Belastest du ihn hingegen mit ungesunden Nahrungs- und Genussmitteln, ist er mehr damit beschäftigt, diese Abfallstoffe zu beseitigen als sein vollständiges Abwehr-Potenzial zu entfalten.

Nutze die Obst- und Gemüsevielfalt und profitiere von der gesundheitsfördernden Wirkung
Zu den wichtigsten sekundären Pflanzenstoffen gehören unter anderem die Flavonoide. Sie sind ebenso wie die Gruppe der Carotinoide (ß-Carotin, Vorstufe von Vitamin A) für die Farben der Obst- und Gemüsesorten verantwortlich. Ob rot, blau, gelb oder violett, sie entscheiden über das farbliche Aussehen von Beeren, Trauben, Äpfeln, Birnen und vielen weiteren Sorten. Ihnen sagt man eine krebshemmende Wirkung nach und auch gegen neurodegenerative Erkrankungen (MS) sollen sie laut Studien in der Therapie deutlich wirksam sein. ((Rahal A./ Kunar, A et al.: Oxidative STress, Prooxidants and Antioxidants: The Interplay. In: Journal of Biomedicine and Biotechnology, 2014.))

Carotinoide färben Obst und Gemüse orange-gelb. Sie kommen vor allem in Karotten, Melonen, Tomaten (hier Lycopin), Paprika, Kürbis, Grapefruit und Aprikosen vor. Ihre entzündungshemmenden und immunmodulierenden Eigenschaften (Veränderung des körpereigenen Abwehrsystems) werden vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und altersbedingten Augenkrankheiten diskutiert.

Sogenannte Anthocyane sorgen vor allem bei dunklen Beeren wie Blaubeeren, Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren für die rot-bläuliche Färbung. Ihnen werden überwiegend antikanzerogene (krebshemmende), antioxidative, antithrombotische und entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt.

Eine weitere Gruppe der Antioxidantien bilden die Phenolsäuren. Sie kommen überwiegend in Kaffee, Tee, Vollkornprodukten, Kartoffeln und Nüssen vor. Sie verstecken sich in den Randschichten der Nahrungsmittel, weshalb diese, wenn möglich (Nüsse und harte Schalen ausgenommen) mit Schale verzehrt werden sollten. Als Radikalfänger bieten sie möglicherweise Lipiden und der Erbsubstanz Schutz. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang vor allem eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs und Arteriosklerose. Phenolsäuren haben ebenfalls eine entzündungshemmende und immunmodulierende Wirkweise. Doch besonders beim Konsum von koffeinhaltigen Kaffee solltest du auch die blutdrucksteigernde Wirkung berücksichtigen und die Aufnahme auf 1-2 Tassen pro Tag beschränken. Noch besser: Steige auf entkoffeinierten Bio-Kaffee um.

Sogenannte Phytoöstrogene sind in vielen verschiedenen Pflanzenarten zu finden. Sie können in Gewürzen, Gemüse und auch in Obstsorten stecken. Bei ihnen handelt es sich um Pflanzenhormone, die dem körpereigenen Östrogen stark ähneln. Es besteht also die Möglichkeit, dass Phytoöstrogene aus Pflanzen an den Östrogenrezeptor des Körpers andocken können. Heiß diskutiert werden in diesem Zusammenhang vor allem Soja-Produkte. Sicher ist jedoch, dass Soja eine Schutzwirkung entfaltet. Aber auch andere Hülsenfrüchte und Erdnüsse sowie Leinsamen enthalten diese Art der sekundären Pflanzenstoffe.

Die antioxidative Wirkung konnte bisher vor allem in Tierversuchen und in in-vitro-Versuchen (wissenschaftliche Untersuchung im Reagenzglas) nachgewiesen werden. Studien mit Menschen sind noch rar, weshalb die Effektivität von sekundären Pflanzenstoffen und ihrer antioxidativen Wirkung noch unter Vorbehalt „beworben“ wird. ((DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2014): Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung auf die Gesundheit – Eine Aktualisierung anhand des Ernährungsberichts 2012.)) Meine Erfahrungen und die Kenntnisse aus der Ernährungswissenschaft sind eindeutig. Sekundäre Pflanzenstoffe sind die “wahren Könige” in den pflanzlichen Lebensmitteln.

In meinem neuen Buch “Klartext Ernährung: Die Antworten auf alle wichtigen Fragen, wie Lebensmittel vorbeugen und heilen”, an dem ich lange mit Prof. Dr. Claus Leitzmann gearbeitet habe, kannst du insbesondere zu den sekundären Pflanzenstoffen nochmal ganz viel im Detail nachlesen. Aber auch auf andere Fragen findest du ab dem 11. Mai (Erscheinungsdatum) umfangreiche aber klare Antworten.

Doch eines ist jetzt schon sicher: Obst und Gemüse enthalten neben der Fülle an sekundären Pflanzenstoffen vor allem Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe und sind somit definitiv gesundheitsfördernd. Möchtest du dein körpereigenes Abwehrsystem zusätzlich anregen, dann kann ich dir das Intervallfasten wärmstens empfehlen. Denn mithilfe der Autophagie (Selbstreinigungsprogramm deines Körpers auf Zellebene), die nach zwölf bis 16 Stunden in Kraft tritt, unterstützt du deinen Körper bestmöglich. Insbesondere im Kampf gegen Viren und Entzündungen. ((Dr. med Petra Bracht: Intervallfasten. Für ein langes Leben schlank & gesund. GU Verlag, 2019.)

Erich - 16:01:30 @ Vitalstoffe | Kommentar hinzufügen

 


 
 
 
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